Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Künstlerroman von

Künstlerroman.

Als tot auf schlechtem Gasthofbette lag
Sein junges Weib bei Unschlittkerzenflammen,
Da schob Papier, verstreutes, er zusammen,
Und schrieb darauf bis an den grauen Tag.

Es ward an Inhalt und an süßem Schalle
Ein also großes, ewiges Gedicht,
Daß die Genossen es verstanden nicht,
Und schweigend wichen, tiefergriffen alle.

Er aber blieb allein mit einem Sarg,
Darin begrub er seine Jugendliebe -
Und jenes Buch, das ew'gen Ruhm verbarg,
Und das kein Denker leichthin nach ihm schriebe,

Er schob es unters fahle Goldgelock
Als Ruhekissen für die schöne Tote,
Und riß sich aus den Hecken einen Stock
Und schritt hinaus ins Morgenlicht, das rote.