Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Alte Dienstboten von

Alte Dienstboten.

In dem sanften Wallen der alten Frühlinge
Stehn die alten Dienerinnen von Haus zu Haus.
Der ausgebrannte Himmel schwebt dem Mond entgegen,
Der Sonntag füllt mit seinem zarten Tod die Straße aus.
Sein letzter Odem trägt den Schall von Ruderschlägen,
Von Ufer, Hügelton und Klang von Weggesprächen her.
Die altem Mägde haben gütige Hüte auf,
Mild von Vergangenheit und kaum entlächelnd mehr.
Nur manche Masche oder kühne Rose schlägt zum Flug die Flügel auf.
Gestrickten Handschuh tun sie ab mit treuem Gruß und altem Nicken,
Eh' sie sich in das Dunkel ihrer Tore schicken.

Ach diese alten Frauen tragen ewig auf den alten Händen
Das erdenlose schluchzende Traumlicht vom frühen Tag.
Wohin sie ihr Gehen auch wenden,
Klirrt ein Geschirr, ist Küche um sie, Stiege, alter Uhrenschlag.
Im Hof ist Lärm, im Herd die ewige Kohle.
Sie hören auf dem Gang das Sclürfen ihrer Sohle,
Sie haben keinen Sohn und kein Geschick,
Kein Bett zum Sterben breit. Nur einen kleinen Klatsch im Flur.
Schon keift die Herrin auf, die aus der Türe fuhr ...
Unwandelbar in Ehrfurcht, so mit scheu gebeugtem Rücken
Sind die bereit sich neu zu ewigem Dienst zu bücken.

Doch ich Verworfener der Lust und Eitler in der Zeit,
Ich weiß, daß diese alten geisterhaften Leben
Sich ohne Ende über meins erheben,
Das voll von Hoffart Worte machen mag.
Nur uns zu prüfen, gab und Gott den Tag,
Allein des Tages Sinn heißt Heiligkeit.
O heilger Dienst, o Dienst, der niemals schließt,
O Einfalt, die nichts weiß und nichts genießt,
O Licht am Abend überm Tisch gebückt!
Gepriesenes Leben, Dienst! Mit abgeschundenen Händen,
Sich irdisch tilgend, himmlisch zu vollenden!