Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Singende Fontäne von

Singende Fontäne.

Blauer Blick des Mondescheines
Kühlte meines Zimmers Wand;
Da hört' ich die Stimme eines,
Der im Dunkel unten stand.

Und wie ich die Scheibe staunend
In den Garten niederbog,
War es Singen, süß und raunend,
Das zu mir ans Fenster flog.

Keinen sah ich. Nur im Dunkeln
Blinkte das erhellte Spiel
Der Fontäne, die mit Funkeln
Zwischen Busch und Bäume fiel.

Unruhvoll und doch beständig
Schien das silberne Getön
Wie ein lautes Herz lebendig
Durch die Brust der Nacht zu gehn.

Und ich fragte: "Warum rauscht du
Heute mir zum erstenmal?" -
Und ich horchte: "Warum lauschst du
Heute mir zum erstenmal?

In das heiße Gold der Tage,
Stumm im Steigen, Lied im Fall,
Durch den Samt der Nächte trage
Stet ich den erregten Schwall

Meiner eignen Überfülle,
Und du, der mir nahe ruhst,
Wirst erst durch den Gruß der Stille
Unsrer Brüderschaft bewußt?

Hast du nie denn an der Schwelle
Des Erwachens wirr gefühlt,
Daß dir eine lautre Welle
Nächtens durch dein Herz gespült,

Daß mein Singen dich durchwebte
Und im Schlafe aufwärts schwoll,
Bis es Blut um Blute lebte
Und an deine Lippen quoll,

Bis als Lied der eingeengte
Schauer einer fremden Lust,
Die ein Traum in dich versenkte,
Wild aufbrach aus deiner Brust?

So in dein Geschick verflechte
Ich mir meines Lebens Spur,
Und bin doch im Kreis der Mächte
Eine leise Stimme nur,

Eines von den stummen Dingen,
Die dein Wesen zauberhaft
Und geheimnisvoll durchdringen,
Und von deren steter Kraft

Nur verloren-leise Kunde
Manchmal deine Seele faßt,
Wenn du dich hinab zum Grunde
Eines Traums getastet hast."

Immer ferner schien der Schimmer,
Immer dunkler Wort und Sinn,
Doch mein Herz lauschte noch immer
Nach der weißen Stimme hin,

Die vom Garten, bald wie Trauer,
Bald wie Lächeln, wundersam
Über Bäume, Busch und Mauer
Schwebend an mein Lager kam,

Und an meine Brust sich schmiegend
Ihrer Worte Wiege schwang,
Bis ich, fern im Schlummer liegend,
Glanz nur fühlte und Gesang.