Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Campagna-Gewitter von

Campagna-Gewitter.

Auf Wolken schwer und finster
Jagt der Scirocco ins Land;
Schwül duftet um mich der Ginster
Im brennenden Heidesand.

Vom Leuchten ferner Gewitter
Ein Schimmer herüberzuckt --
Starr wächst in das fahle Gezitter
Der alte Aquädukt.

Und plötzlich hör' ich's gellen
Ins schweigende Land hinaus --
Das sind nicht des Sturmes Wellen,
So naht einer Schlacht Gebraus!

Die ehernen Tuben schreien,
Die Kämpfer brüllen auf,
In schemenhaften Reihen
Umwogt es mich zu Hauf.

Und über den irren Klängen
Und der rasenden Kämpferschar
Schwebt, den Sieg in gierigen Fängen,
Der goldne Römeraar!

Ich seh' ihn kreisen -- jetzt schnellt er
Herab -- da wach' ich auf:
Der lodernde Blitz, dort fällt er,
Der Donner wirft sich drauf;

Die Erde dampft, es erzittert
Im Nachhall leis die Luft,
Wo der Tod herabgewittert,
Qualmt süßer Weihrauchduft ...

Und wie die Flöre sich heben,
Seh' in weißem Wolkengewand
Ich Cäsars Schatten schweben
Über sein heiliges Land!