Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Vierzig Tage ... von

Vierzig Tage ...

Vierzig Tage, vierzig Nächte
Trank ich aus dem Zauberbecher
Süßigkeiten, Bitternisse,
Wie ich nie genoß zuvor.

Von des Bechers Rand hab' ich
Losgerissen nun die Lippen,
Und mein Aug' hat gestern abend
Sie gesehn zum letztenmal.

Gestern war ihr zwanzigjähr'ges
Wiegenfest, ich brachte schweigend
Einen Strauß von Rosenknospen,
Vierzig Knospen, halb erblüht.

Dir die Rosen! mir die Dornen!
Sei so glücklich, süße Marta,
Sie so glücklich nun mit andern,
Wie du damals mich gemacht!

Schweigend nahm sie hin die Rosen,
Ich umarmte mit den Augen
Einmal noch die reizend schlanke,
Zärtlich schmiegsame Gestalt.

Keinen Kuß und keine Träne!
Und ich ging wie ich gekommen,
Dachte unsres ersten Tages,
Unsrer ersten süßen Nacht.