Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Carmen von

Carmen.

Ganz blumenhaft, gewiegt vom Sonnenstrahle,
Das feine Köpfchen träumerisch verdrossen,
Von der Mantilla Faltenwurf umschlossen,
Drin ein Nadel von Toledostahle.

Ihr Händchen flog, das ringgeschmückte, schmale,
Im Fächerspiel, es scherzten die Genossen;
Da plötzlich hob, hintastend an den Gossen,
Ein Greis zu ihr die leere Sammelschale.

Kein einzig Wort, nur eine scharfe Volte,
Ein Fächerschlag - und fort der Teller rollte.
Die Mutter sprach: erschrick nicht, Carmencita.

Und dann zu uns: Ihr müßt sie recht verstehen,
Sie ist so gut, und kann nicht leiden sehen ...
Sie ist nervös, die arme Marquesita! ...



Es drängt das Volk an der Barera Reifen,
Ein braver Stier ward heut zum Kampf gesendet;
Seht, wie er rast, von Staub und Wut geblendet,
Röchelnd und wild, bedeckt mit Blut und Schleifen!

Das brechend Auge läßt im Kreise schweifen
Ein Picador, vom Horne umgewendet,
Acht Pferde liegen aufgeschlitzt, verendet -
Ein Toben ist's, ein Stampfen und ein Pfeifen.

Das Händchen ballt, das blasse und nervöse,
Die Marquesita - doch schon naht der Rächer,
Mit Schwert und Capa tritt er aus dem Tore.

Und toller, brausender wird das Getöse;
Sie lacht vor Glück - Armbänder, Blumen, Fächer
Wirft an den Kopf sie dem Torreadore.