Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Schmetterlinge von

Schmetterlinge.

So sah ich dich zuerst. Ein Juniabend
Mit sanftumflorten Rosenflammen hellte
Noch einmal gütig Straßengrund und Gärten,
Da strichst du aus dem Nachbarhause heim.
Weit lauschte ich herab aus finsterm Fenster.
Mein Auge spürtest du, und hobst ganz leise
Die seidne Fülle deiner langen Wimpern
Und senktest sie sogleich. War es des Abends
Feuchtrote Fackelglut, die deine Wangen
Mit Purpur färbte? -

Eben schwebte trunken
Ein weißer Falterschwarm aus weichumblautem,
Duftschwerem Wipfel, und um deines Hauptes
Zartgoldne Jugend zog er klare Kreise.
Ein lieblich Spiel! Und meine Seele, zitternd,
Ein kleiner Silberschmetterling, stieg auf
Und mischte sich, du schönste Sommerrose,
Still flügelnd in den frohbewegten Reigen.
Zehn Schritte noch - ach, da entschwandest du
In einer Türe Dunkel. Und der Abend
Schlich müde hinter schwarze Wolkenmauern ...
Fernher die Nacht. Und in die Nacht hinstoben
Wie sturmgescheucht die weißen Blütengeister.
Doch einer, Herzen sichtbar bloß, du Süße,
Blieb bei dir.