Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Brügge von

Brügge.

Nun kommt der Abendfriede in die stille Stadt,
Der Sonne rotes Blut verströmt in den Kanälen,
Und eine Sehnsucht, die nicht Ziel und Worte hat,
Beginnt nun von den grauen Türmen zu erzählen.

Die alten Glocken singen dumpf und wunderbar
Von Tagen, da ihr Jubelruf das Land umspannte
Da Glanz und Leben in den lichten Straßen war
Und fackelfroh das Herz des Hafens brannte;

Von reichen Tagen, wundersam und längst verglüht
Und die wie süßer Kindheitstraum so fern geworden.
Das letzte Ave schweigt ... Und langsam stirbt ihr Lied
Und zittert aus in leise schluchzenden Akkorden.

Die letzten Töne trägt noch sanft der Abendwind,
Und traurig irrt der Nachhall in die toten Gassen,
Die alle schweigsam und so schmerzverschüchtert sind,
Ein blindes Kind, das jäh die Führerhand verlassen. -

Durchs stille Wasser streicht ein wildes Schwanenpaar,
Und leise raunt die Flut, die schwingensacht erschauert,
Von einer schönen Frau, die Königin einst war
Und nun im dunkeln Nonnenkleide einsam trauert ...