Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Im Colosseum von

Im Colosseum

Schau des Gemäuers riesig Rund
Und drin den ungeheuren Krater,
Das ist ein blutgetränkter Grund,
Vespasians Amphitheater.

Doch heut', - wie still im Sonnenschein
Die goldig braunen Trümmer glühen;
Um jede Mauer, jeden Stein,
Welch' reiches Grünen rings und Blühen -

Und süßes Duften, - Vogelsang
Und wonnig Säuseln, - Bienensummen,
Nun ferner Kirchenglockenklang,
Nun wieder plötzliches Verstummen. -

Und einst - Getös' und Waffenschall
Und Thiergebrüll und Todesstöhnen
Und Beifallssturm und Wiederhall,
Ein grausig wildes Meer von Thönen.

Ein wüst Gewirr, ein wild Gewühl,
Blutlachen und zerriss'ne Leiber,
Und ohne menschliches Gefühl
Schaugier'ge Männer rings und Weiber.

Und dennoch, - fluch ihm nimmer heut,
Willst du den stillen Ort besuchen,
Denn wo der Himmel Blumen streut,
Da darf ein Menschenkind nicht fluchen.