Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ach, wer doch das könnte! von

Ach, wer doch das könnte!

Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht;
Hoch droben in Lüften mein Drache nun steht,
Die Rippen von Holze, der Leib von Papier,
Zwei Ohren, ein Schwänzlein sind all seine Zier;
Und ich denk': so drauf liegen im sonnigen Strahl,
Ach, wer doch das könnte nur ein einziges Mal!

Da guckt' ich dem Storch in das Sommernest dort:
Guten Morgen, Frau Storchen, geht die Reise bald fort?
Ich blickt' in die Häuser zum Schornstein hinein:
Papachen, Mamachen, wie seid ihr so klein!
Tief unter mir säh ich Fluß, Hügel und Tal -
Ach, wer doch das könnte nur ein einziges Mal!

Und droben, gehoben auf schwindelnder Bahn,
Da faßt' ich die Wolken, die segelnden, an;
Ich ließ' mich besuchen von Schwalben und Kräh'n
Und könnte die Lerchen, die singenden, sehn;
Die Englein belauscht ich im himmlischen Saal -
Ach, wer doch das könnte nur ein einziges Mal!