Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Was ich liebe von

Was ich liebe

Ich liebe die hektischen, schlanken
Narzissen mit blutrotem munde;
Ich liebe die Qualengedanken,
Die Herzen, zerstochen und wund.

Ich liebe die Fahlen und Bleichen
Die Frauen mit müdem Gesicht,
Aus welchen in flammenden Zeichen
Verzehrende Sinnenglut spricht.

Ich liebe die schillernden Schlangen,
So schmiegsam und biegsam und kühl:
Ich liebe die klagenden, bangen,
Die Lieder voll Todesgefühl.

Ich liebe die herzlosen, grünen
Smaragde vor jedem Gestein;
Ich liebe die gelblichen Dünen
Im bläulichen Mondenschein.

Ich liebe die glutendurchtränkten,
Die Düfte, berauschend und schwer;
Die Wolken, die blitzedurchsengten,
Das graue, wutschäumende Meer.

Ich liebe, was niemand erlesen,
Was keinem zu lieben gelang:
Mein eignes, urinnerstes Wesen
Und alles, was seltsam und krank.