Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Jugendliebe von

Jugendliebe

Als ich ein glücklicher Knabe noch war
Mit roten Wangen, mit lockigem Haar,
Da zog es aus der Gespielen Reih'n
Mich oft in ein stilles Kämmerlein.

Die Bilder an der Wand sie sah'n
Dort so vertraut mich und heimlich an,
Und jeder Knospe war mir bekannt
An der Rose, die vorm Fenster stand.

Im kleinen Stübchen stand morsch und alt
Ein Sofa von längst verschollner Gestalt;
Dort saß ein Mädchen mit gold'nem Haar,
Die mir das Liebste auf Erden war.

Und neben ihr ruht ich still beglückt,
Stumm in die eine Ecke gedrückt;
Sie schmiegte sich an die andre dicht,
Und ihr zu nahen wagt' ich nicht.

Dort träumt ich trunken im engsten Raum
Oft Welt und Himmel umfassenden Traum;
Sie senkte das Auge in banger Lust,
Mit glühenden Wangen, mit wogender Brust. -

Auf schwellendem Polster saß ich heut
Und dachte an jene alte Zeit.
Sie saß mir zur Seite, ein schönes Weib,
Und schwatzte und schwatzte zum Zeitvertreib.

Mit halbem Ohr nur hört' ich zu,
Mir ließen die alten Träume nicht Ruh';
Im Busen klang mir ein altes Lied
Von einem Frühling, der längst verblüht.

Auch sie verstummte, ich schwieg schon lang',
Mir war so gepreßt, zum Weinen bang',
Mit trübem Blick sah ich sie an,
Sie wandte sich ab und seufzte dann.