Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Um die dritte Stunde von

Um die dritte Stunde

Die dritte Stunde nachmittags
Das ist die müde Stunde,
Es geht das Zittern ihres Schlags
Wie Lähmung in die Runde.

Da liegt sie stumm die heiße Welt,
Verschmachtet und begraben;
Der Glutengott alleine hält
Die Fackel noch erhaben.

Wie Wüstenodem tötlich drückt
Sein schwüles Reich die Matten,
Und von des Turmes Kuppel bückt
Sich welk der müde Schatten.

Verlechzend ist auf dürrem Moos
Das Flurgeräusch entschlafen,
Die Welle schlürft gedankenlos
Ums träge Schiff im Hafen.

Wie ein erschlagner Riese schweigt
Die glühe Felsenflanke;
Im Menschenhaupt hat sich geneigt
Zum Schlummer der Gedanke.

Kein Laut ergeht, kein Hauch kein Lied
Gibt noch von Leben Kunde,
Als ob der Erdengeist verschied
Um diese dürre Stunde,

Die von des Mittags stolzen Höh'n
So fern ist abgefallen
Wie von des Abends Lustgetön
Und seinen Nachtigallen.