Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Aus den von

Aus den ?Liedern vom Maurergesellen"

Am Abend
Laß mich fromm die Lippen senken
Auf die Schwielen deiner Hand;
Denn ein ewig Meingedenken
Hab ich selig drin erkannt.

Keuchtest, mir ein Heim zu schaffen,
Unter deiner Steine Last;
Gönntest mir zu lieb den straffen
Sehnen keine Ruh und Rast.

Drängten sich die Werkgenossen
Frierend kellerwärts zum Wein,
Du im Regensturm und Schlossen
Hieltest aus und dachtest mein.

Sie beim ersten Vesperläuten
Warfen von sich Kell' und Joch;
Letzte Dämmrung auszubeuten,
Schwingest du den Hammer noch.

Abendrot ist längst versunken,
Längst schon Stern an Stern entglomm,
Und ich rufe sehnsuchtstrunken
Durch die Dämmrung: Komm, o komm!

Komm, o komm zur warmen Stätte,
Träum hinweg der Sorgen Wust,
Komm, du müder Mann, und bette
Weich dein Haupt an meine Brust.

Hochzeit
Beim Pfarrer sind wir nicht gewesen;
Was ging sein Segensspruch uns an?
Wir sprangen dreimal über'n Besen
Und hielten uns als Weib und Mann.

Wir luden keine Herrn und Damen,
Und kein Bankett hat uns umtobt,
Doch Sonne, Mond und Stern vernahmen,
Wie wir uns Treu' um Treu' gelobt.

Wir wechselten nicht güldne Ringe,
Wir gaben Lieb um Liebe hin;
Doch beut kein reichres Brautgedinge
Der König seiner Königin.