Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Stimmen der Wasser von

Stimmen der Wasser

O Stimmen der Wasser, wie ward euer Laut
Seit den Tagen der Kindheit mir lieb und vertraut!
Wenn die Worte der Menschen mir klangen wie Hohn,
Drang stets mir versöhnend ans Herz euer Ton.

Ein traumhaft Erinnern noch heut' in euch lebt,
Daß sinnend der Weltgeist, ob euch einst geschwebt;
Die Seele, die nachtende Trauer umspinnt,
Ihr mahnt sie, wie alles verweht und zerrinnt. -

Am murmelnden Waldbach, von Birken umsäumt,
Einst hab' ich die Träume der Jugend geträumt,
Die törichten, goldnen, von Ruhm und von Glück,
Die kein Gott selbst hienieden je zaubert zurück.

Auf dem dunkelnden Heidesee, wenn sich im Rohr
Das Geflüster der schluchzenden Wellen verlor,
Wie lauschte der Jüngling so gern ihrem Lied,
Nachtrauernd der Liebe, die schnöd' ihn verriet.

Überm Bergstrom, der donnernd die Schuchten durchbraust,
Dann hab' ich durchgrübelt die Fragen des Faust,
Die ewigen Fragen, im schmerzenden Hirn,
Und am Eishauch der Gletscher gekühlt mir die Stirn.

Nun lausch' ich, wo rollend die Woge sich bricht,
Am einsamen Strande dem Schicksalsgedicht
Der brandenden Meerflut, und tief in die See
Versenk' ich mein Bangen und irdisches Weh.

O Stimmen der Wasser, gewaltiger Chor,
Den die Tiefe sendet zum Äther empor,
Ob ihr flüstert und klagt, ob zum Donner ihr schwellt,
Seid gegrüßt mir als heiliger Herzschlag der Welt!