Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ich möchte heim von

Ich möchte heim

Wir haben hier keine bleibende Statt,
sondern die zukünftige suchen wir.
Hebr. 13, 14

Ich möchte heim, mich zieht's dem Vaterhause,
Dem Vaterherzen zu;
Fort aus der Welt verworrenem Gebrause
Zur stillen, tiefen Ruh;
Mit tausend Wünschen bin ich ausgegangen,
Heim kehr' ich mit bescheidenem Verlangen,
Noch hegt mein Herz nur einer Hoffnung Keim?
Ich möchte heim.

Ich möchte heim, bin müd' von deinem Leide,
Du arge, falsche Welt;
Ich möchte heim, bin satt von deiner Freude,
Glückzu, wem sie gefällt!
Weil Gott es will, will ich mein Kreuz noch tragen,
Will ritterlich durch diese Welt mich schlagen,
Doch tief im Busen seufz' ich insgeheim:
Ich möchte heim.

Ich möchte heim; ich sah in sel'gen Träumen
Ein bess'res Vaterland,
Dort ist mein Teil in ewig lichten Räumen,
Hier hab' ich keinen Stand:
Der Lenz ist hin, die Schwalbe schwingt die Flügel
Der Heimat zu, weit über Tal und Hügel,
Sie hält kein Jägergarn, kein Vogelleim, -
Ich möchte heim.

Ich möchte heim; trug man als kleines Kindlein
Mich einst zu Spiel und Schmaus,
Ich freute mich ein leichtes kurzes Stündlein,
Dann war der Jubel aus;
Wenn sternhell noch der Brüder Auge blitzte,
In Spiel und Lust sich erst ihr Herz erhitzte,
Trotz Purpuräpfeln, goldnem Honigseim:
Ich wollte heim.

Ich möchte heim; das Schifflein sucht den Hafen,
Das Bächlein läuft ins Meer,
Das Kindlein legt im Mutterarm sich schlafen,
Und ich will auch nicht mehr;
Manch Lied hab' ich in Lust und Leid gesungen,
Wie ein Geschwätz ist Lust und Leid verklungen,
Im Herzen blieb mir noch der letzte Reim:
Ich möchte heim.