Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ein Begräbnis von

Ein Begräbnis

Es weicht die Nacht, und überm Hügel
Glimmt roter Schein am Himmelssaum,
Noch birgt der Vogel unterm Flügel
Sein träumend Haupt in weichem Flaum.

Nur leise schallen helle Stimmen,
Die bald verhallen überm See;
Im Kloster sah ich Kerzen glimmen
Und Nonnen gehn durch zarten Schnee.

Ein stiller Zug von wenig Schwestern:
Es stirbt das Nonnenkloster aus;
Davon verschied die jüngste gestern,
Man senkt sie in des Grabes Haus.

Darauf ein still Gebet der Frauen,
Doch kein heiße Träne rinnt;
Kein Schluchzen tönt, und ist zu schauen
Kein trostberaubter Mann, kein Kind.

Es fallen leichte Flocken nieder,
Und nichts ist von dem Grab zu sehn,
Und weit und breit ist Stille wieder,
Und Tag wird's, als ob nichts geschehn.