Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Menschenleben von

Menschenleben

Heut' lallen an der Mutterbrust, der weichen,
Zu Rosse morgen ziehn in stolzem Trabe,
Und übermorgen dann als müder Knabe
Mit grauen Haaren an der Krücke schleichen:

Das Glück erspähn und nimmer es erreichen,
Sich hundertmal als einzig süße Labe
Den Tod erflehn und schaudern vor dem Grabe,
Das Sein verwünschen, vor dem Nichts erbleichen:

In langer Weil', in Weinen oder Lachen,
In Sehnen, Sinnen, Hoffen und Erbeben
Den Tag verträumen und die Nacht durchwachen,

Dazu die Frage schmerzlich oft erheben,
Was all' das soll: das ist in tausend Sprachen
Ein altes Lied, betitelt Menschenleben.