Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Mein Wunsch von

Mein Wunsch

Ich wollt', ich wär' die Eiche dort
Im duftig grünen Wald
Und würde wie der Eichenbaum
Wohl tausend Jahre alt.

Geküßt so, wenn noch alles ruht,
Vom ersten Sonnenstrahl,
Geküßt, wenn niedersinkt die Nacht
Vom letzten Licht zumal.

In jedem Frühling grün und neu, -
Der Vögel luftig Haus -
So jährlich fügend Ring an Ring
Und breitend Schatten aus;

Und träumend, wenn der Winter naht,
Im Innern warm und stark -
Voll Sommermärchen in der Brust,
Voll Trieb und Drang im Mark;

Erwachend wieder in dem Lenz,
Der meine Knospen sprengt,
Ein Auge jedes Blatt worauf
Sich Gottes Sonne senkt.

Die Brust so fest, daß selbst der Blitz
Ihr kaum den Busen ritzt -
Vom Regenstrom gelabt, genetzt,
Der tausend Funken blitzt,

Vom Mondenscheine sanft bestrahlt,
Vom Glühwurm hell umsprüht,
Entschlummernd, wenn die Nachtigall
Im Busche singt ihr Lied.

Und Menschen seh' vorbei ich gehn
Und werden jung und alt,
Und Tat auf Tat sich drängen so
In wechselnder Gestalt.

Ich prägt' ein Weltgeschichtenteil
In mein Gedächtnis ein,
Und was ihr heute Größe nennt
Erschien dem Alten klein.

Der Wand'rer ruhte unter mir,
Der Kinder frohe Schar -
Dem Menschen flüstert leis' ich zu
Von dem, was einsten war. - -

Und wenn ich alt geworden wär',
Wohl an die tausend Jahr',
Dann baute man aus mir ein Haus,
Tisch, Wiege, Totenbahr'!