Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zu Ende ging die Nacht von

Zu Ende ging die Nacht

Zu Ende ging die Nacht, am Äthersaume
Brach matt die Dämm'rung an; doch du, die immer
Mit Ungeduld ersehnt des Tages Schimmer,
Lagst teilnahmslos in deiner Kissen Flaume.

Da zuckte leis dein Mund, umher im Raume,
Wie grüßend, wandtest du des Auges Flimmer,
Riefst teure Namen, froh, als trät' ins Zimmer
Manch lieber Gast, längst nur erblickt im Traume.

Entzückt vernahmst du sel'ge Harmonien,
Sahst hold vor dir verklärte Blumenwiesen,
Und lächelnd dann entwalltest du auf diesen. -

Ich aber lag gebrochen auf den Knien,
Die Arme nachgestreckt mit glüh'ndem Sehnen
Und flehte fruchtlos: ?Bleib!" mit tausend Tränen.