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Die neue Eisenbahn von

Die neue Eisenbahn

Der Schädel ruft: ?Ich bin Ambassadeur,
ich bin Baron und ich vermittelte
den Frieden zwischen Dänemark und Holland.
Wer rüttelt meines Marmorsarges Wände?
Wer sprengt den Deckel? Auferstehungstag?
Gemeines Lumpenvolk, Leibeigene
entrissen meiner Brust das blaue Band,
das blaue Band des Elefantenordens.
Und meines Königs, Friederich des Fünften,
des gütigen, des gnädigen Herren Bild,
auf Elfenbein gemalt, an meinem Herzen,
mir von ihm selbst geschenkt in launger Stunde,
sie rauben es mir weg! Hallunkenpack!"

Doch von der Eisenbahn die Arbeiter,
enteignet hat der Staat die Grabkapelle,
verhöhnen das Geschrei des alten Schädels.
Von ihnen einer schenkt das Königsbild
der Pockenliese in der Bretterbude,
die Schnaps ausschenkt und Schlafstellen vermietet.
Und mit dem Bild als Schmuck erscheint sie dann
am Sonntag mit den Arbeitern zum Tanz.

Der Schädel ruft: ?Ich bin Ambassadeur,
ich bin Baron und ich vermittelte
den Frieden zwischen Dänemark und Holland."
Das hilft ihm nichts. Die halbbetrunknen Männer
erhöhen ihn auf eine Seitenleiste
des Sandwagens, der hin und her kariolt.
Dann dient den plumpen Fäusten er als Ball.

Der Schädel ruft: ?Ich bin Ambassadeur,
ich bin Baron und ich vermittelte
den Frieden zwischen Dänemark und Holland."
Das hilft ihm nichts. Denn müde werfen sie
zu einer toten Katz ihn in den Schmutz.

Der Schädel schreit: ?Ich bin Ambassadeur,
ich bin Baron und ich vermittelte
den Frieden zwischen Dänemark und Holland."
Das hilft ihm alles nichts. Ihn überschreit
der erste Pfiff der neuen Eisenbahn.