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Die Urne des Brahminen von

Die Urne des Brahminen

Verarmtes Herz, dem nichts die Welt beschert!
O reiches Herz, das nicht nach ihr begehrt!
Es gleicht das Herz der Urne des Brahminen,
Der bettelnd bei den Reichen eingekehrt.
Sie brachten Edelsteine, Gold und Früchte
Und haben prahlend manchen Schrein geleert.
Doch füllt sich das Gefäß nicht bis zum Rande,
Mit allen Schätzen dieser Welt beschwert,
Bis eines Kindes reine Hand die Gaben
Um einen Lotosstengel nur vermehrt.
So bleibt stets ungesättigt heilge Sehnsucht,
Ob ihr das Reichste dieser Welt gewährt,
Indes ein Frühlingshauch, ein Blick, ein Lächeln
Die Seele füllt, als hätt sie nie entbehrt.