Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An die untergehende Sonne von

An die untergehende Sonne

Die du auf feurigen Cherubsflügeln
Flatterst über den dunkelnden Hügeln,
Sonne, Mutter des Lebens und Lichts!
Laß mich mit dir versinken, verschweben!
Denn von dem Lichte und von dem Leben
Ließ mir dein himmlischer Schöpfer - nichts.

Wo in des Lebens unendlichem Strome,
Aufgelöst in die ew'gen Atome,
Die verklärte Geliebte kreist,
Dahin führe die schmachtende Seele,
Daß sie wieder sich ihr vermähle
Im unsterblichen ewigen Geist!

Wohl, was die Erde so himmlisch geboren,
Wird nicht vernichtet und ist nicht verloren,
Wenn auch die Erde es wieder begehrt.
Aus der Asche, in die es versunken,
Sprüht es in tausend leuchtenden Funken,
Strahlt es zu tausend Sternen verklärt.

Aber ich, dem das liebliche Ganze
Strahlte in seinem beglückenden Glanze,
Hebe vergebens den schmachtenden Blick,
Hebe die sehnenden Arme vergebens;
Denn die Quelle des Lichts und des Lebens
Wallet vorwärts - und nie zurück!