Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Harald von

Harald

Er fürchtete nicht den Schleuderstein
Und nicht das sausende Erz, ?
Was Harald fürchtete, war allein
Da drinnen sein heißes Herz!

Der Stein wird matt auf seiner Bahn,
Der Speer zersplittert am Turm,
Doch wenn dies Herz zu stürmen begann,
Das gab einen bösen Sturm. - -

Sie saßen zu zwein am Waldesrand,
Schön Hilde, daneben er,
Heuduft hing überm Wiesenland
Und zog im Winde daher.

Sie sah ins Aug ihm lang und tief
Und reichte die Hand ihm stumm,
Ein Schauer durch seine Glieder lief,
Er wußte nicht warum.

Sie sah ins Aug ihm tief und lang,
Und die Hand, die er hielt, ward heiß,
Und als er das Mädchen stürmisch umschlang,
Ward rot ihre Wange so weiß.

?Hörst fern du die Wachtel im Ährenfeld?
Die Schnitter gehn zur Ruh,
Im Abendfrieden schlummert die Welt,
Zu meinem Schoß schlaf du!"

Er lehnte sein Haupt an die weiche Brust,
Ihr Haar floß über ihn hin,
Und der Duft des Haars mit wilder Lust
Berauschte seinen Sinn.

Und es stieg in die Augen ihm siedend heiß,
Und die Leidenschaft rührte ihn an,
Auf seiner Stirne taute der Schweiß, ?
Sein Herz zu stürmen begann.

Tief atmend lehnte sie da am Hang,
Halbgeöffnet der brennende Mund, -
Da ward Jung Haralds Mut so bang,
Und er ging von dannen zur Stund. ? ?

Jung Harald fürchtet keinen Stein
Und keines Speerwurfs Erz,
Was Harald fürchtet, ist allein
Da drinnen sein heißes Herz.

Der Stein wird matt auf seiner Bahn,
Der Speer zersplittert am Turm, ?
Doch wenn dies Herz zu stürmen begann,
Das gab einen bösen Sturm!