Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Schweigen von

Schweigen

Töne sind der Menschen liebstes Eigen,
Aber Götterangebind ist Schweigen;
Lautlos kreist das All in seiner Schöne
Um den hast'gen Lärm der Erdensöhne,
Und als unhörbare Funken ziehen
Über uns die Sphärenharmonieen;
Heil'ger als der goldne Sang der Musen
Ist die himmlische Musik im Busen,
Mächt'ger als des lauten Tages Wille
Des Gedankens mitternächt'ge Stille;
Heimlich keimt der Same auf zur Blüte,
Schweigend wächst die Liebe im Gemüte,
Wortlos blickst du auf zu Himmelsauen,
Und im Schweigen nur ist Gott zu schauen.
Auf zum Hochgebirge will ich steigen,
Wo aus ew'gem Eis die Grate ragen,
Mir hinüber eine Brücke schlagen
Zu des Äthers uferlosem Schweigen.