Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Beatus ille! von

Beatus ille!

O wie glücklich ist der Mann,
Der – wenn voll die Halme schwanken
Und der Schnitt beginnen kann –
Keinem Menschen braucht zu danken!

Von dem Himmel ganz allein
Kam, als ein Geschenk, der Segen:
Floß der warme Sonnenschein,
Troff herab der milde Regen.

Kräfte, die von Ewigkeit
Wirkten, walteten und schufen,
Waren auch für ihn bereit,
Ohne daß er sie gerufen.

Licht und Luft und Wasser war
Immer da, die Frucht zu nähren;
Und nun rauscht es wunderbar
Durch den Reichtum seiner Ähren.

Was der Mensch vom Menschen nur
Mag in bittrem Kampf erlangen:
Lächelnd reicht es ihm die Flur,
Beut es ihm der Wiese Prangen.

Sie verlangte nur den Schweiß
Seiner Stirn ihm zu erwidern:
Doch um seiner Mühe Preis
Braucht er sich nicht zu erniedern.

Aufrecht sammelt er und stolz,
Er, der Freie, Weltentfernte,
Was der Fluch des andern Gold's
Nie berührt: das Gold der Ernte.