Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Regenbogen von

Regenbogen

Noch schweben die Wolken zerrissen,
Noch hangen sie tief und schwer;
Mit den brütenden Finsternissen
Kämpft des Lichtes goldener Speer.

Und wo er sie trifft mit Funkeln,
Wie stäubt da die wilde Jagd!
Da strahlen die Wellen, die dunkeln,
Da blitzt es wie Gold und Smaragd.

Mit Staunen folgt und mit Freude
Der Blick dem verworrenen Hauf';
Phantastische Wolkengebäude
Steigen am Himmel herauf.

Schimmernde Seepaläste,
Wiesen von grünem Schein;
Die Sonne, der Wind als Gäste,
Die wandeln dort aus und ein.

Nun aber stürzt Turm und Mauer,
Und alles wird öd und fahl;
Ein eisiger Regenschauer
Löscht aus den letzten Strahl.

Es ballt sich zu finstrer Masse
Das Grau, das den Himmel verhüllt,
Bis plötzlich sich jene blasse
Wolke mit Glut erfüllt.

In lieblichem Lächeln schreitet
Die Sonne durchs offene Tor,
Und über die Ferne breitet
Aufs Neu' sie den rosigen Flor.

Ein herrlicher Regenbogen
Spannt weit sich von Meer zu Meer,
Und es fahren auf leuchtender Wogen
Die Schiffe darunter her.