Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Des Jagens müd - von

Des Jagens müd will ich die Nacht verträumen,
Das Feuer loht, dank einem trocken Stamme, –
Du lichtes Bild aus kerzenhellen Räumen,
Was willst du hier, bei einer Lagerflamme?

Es rast der Tanz. Rings Blumen, Seide, Lichter,
Zu groß die Luft für dieses Festsaals Enge,
Gelöste Locken, glühende Gesichter –
Auch du, mein Lieb, ziehst leuchtend durch die Menge.

Du schwebst dahin, dein Aug, das glanzesfrohe,
Blitzt hell vor Glück, die Paare schweben, fliehen,
Dein Haupt, umzuckt von Diamantenlohe,
Wiegt sich im Takt der Walzermelodieen.

Kennst du mich noch? O nein, das wär vermessen!
Die Lust ist groß, die Pauke dröhnt und hämmert ...
Sei wahr, sei wahr: Du hast mich längst vergessen –
Die Geige kreischt, der Morgen graut und dämmert,

Das Fest ist aus. Der Marschall hilft dir tragen
Den Schwanenflaum und deiner Blumen Fülle,
Dein Herr Gemahl küßt zärtlich dir im Wagen
Das schmale Händchen in der weißen Hülle.

Es träumt sich gut bei halb verlöschten Kohlen!
Der Schnee rinnt eisig über meine Backe,
Zur Gutenacht leckt mir die Hand verstohlen
Mit rauher Zunge schmeichelnd meine Bracke.