Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Letzter Tanz von

Letzter Tanz

Es glüht im Fieber das graue Haus,
Lichtstreifen fallen breit hinaus
Auf die sommeröden Gassen;
Es flammt der Saal von Kerzen ganz,
Und wir beide tanzen den letzten Tanz,
Eh wir uns müssen lassen.

Ich bin gezogen von Meer zu Meer,
Und als ich heimkam, die Taschen schwer,
Warst du die Braut eines andern;
Die Spatzen riefen's von jedem Dach,
Die Basen zischten und sprachen's nach:
Das kommt vom Wandern, vom Wandern.

Wir tanzen, als habe der Tod dich gepackt,
Es fegt deine Schleppe spitzengezackt
In welken Orangenzweigen.
Schon geht der Zeiger auf Mitternacht,
Dein junger Gemahl, er sieht's und lacht ?
Es schluchzen so wild die Geigen.

Ich wollte, wir irrten im nordischen Land,
Von Keinem geliebt, von Keinem gekannt,
Im Schneesturm über die Heide,
Und daß du ruhtest unbewußt
In meinem Mantel, an meiner Brust,
Und daß wir stürben beide.