Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

O Deutschland von

O Deutschland!

Mondschein und Giebeldächer
in einer deutschen Stadt —
ich weiß nicht, warum der Anblick
mich stets ergriffen hat.

Dort drüben beim Lampenscheine
ein Jüngling starrt ins Licht
und schwärmt und schluchzt und empfindet
sein erstes, sein bestes Gedicht.

Dort sitzt eine junge Mutter,
die wiegt ihr Kind zur Ruh,
sie lächelt und sinnt und betet
und singt ein Lied dazu.

Es blickt auf die mondhellen Giebel
tiefsinnend ein Greis hinaus,
er hält in der Hand eine Bibel,
drin liegt ein welker Strauß.

Die Bäume rauschen, es funkeln
die Sterne ab und zu;
dort unten liegen die dunkeln
Häuser in tiefer Ruh.

Es plätschert in alter Weise
am Simonsplatze der Born,
von weitem tutet leise
der Wächter in sein Horn ...

O Deutschland! mir tat's gefallen
in manchem fremden Land,
dir aber hat Gott vor allen
das beste Teil erkannt.

Du lebst und schwärmst und dämmerst
in tiefer Seelenruh,
wenn du dein Eisen hämmerst,
erklingt ein Lied dazu.

O lasse dir niemals rauben
die alte Schwärmerei
für Frauen, Freiheit und Glauben —
bleib unentwegt dabei!

Daß du vom Born der Sage
mögst schöpfen Frömmigkeit
und Kraft zu wuchtigem Schlage
nun und in Ewigkeit!