Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heimat von

Heimat

Und ich liebe sie doch!
Dumpf und trübe
Nannte ich oft
Die Glocken der Heimat,
Doch heute klingen sie über das Meer
So wehmutselig,
So wunderbarlich,
Daß selbst mein lachendes Herz
Ihr Echo wird.

Wie ein Bild der Zauberin,
Der Dichterfreundin Morgana,
Erblick' ich ferne am Horizonte,
Wehmütig winkend
Die Gärten und Wiesen,
Das schwarzbeschieferte Haus
Mit den grünen Fenstern,
Und am Fenster zum Garten
Seh' ich die Mutter.
Auf ihren Knieen
Ruhet ein Buch –
Sie liest in dem Buche.
Ich seh' es genau, –
Es ist das Buch,
Das einst dem Sohne
Mit Tränen sie schenkte,
Und das der Sohn,
Als er fortging –
Vergaß.

Sie liest die Worte,
Die eigenhändig
Aus warmem Herzen ?zu stetem Gedenken"
Sie eingeschrieben –
Ich glaubte', eine Träne
Fällt heiß auf die Bibel. –

Wehmütig über das Meer
Klingen die Glocken der Heimat.