Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heimatsbild von

Heimatsbild

Der letzte Streifen Glut verglimmt,
Zum Gestern verflattert das Heut,
Und in den rötlichen Nebeln schwimmt
Ein Tropfen Abendgeläut.

Ich sitze vor meines Vaters Haus
Auf der weißgestrichenen Bank
Und horch auf die dämmernde Straße hinaus
Und die rauschenden Pappeln entlang.

Dort, von dem Dunkel der Kronen umschirmt,
Ist ein heimliches Leben erwacht,
Heuwagen schwanken hochgetürmt
Durch die schweigende Sommernacht.

Und oben Mädel in krausem Gewühl
Und Burschen ganz dicht nebenbei,
Und aus dem prickelnden, duftenden Pfühl
Ein Kichern – ein Singsang – ein Schrei.

Und also sind sie vorübergefahrn,
Und es folgen ihrer noch viel,
Und ich wette, auch heute, nach zwanzig Jahren,
Ist es dasselbe Spiel.

Und immer noch fahren unverwandt
Der Liebe törichte Fracht
Heuwagen im alten Littauerland
Durch die rötliche Sommernacht.