Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Vor dem Morgen von

Vor dem Morgen

Es zieht ein fahler Schein
Am Himmel auf; hellroter Schimmer
Glänzt schon die Wolken an von Osten her.
Die Sterne sinken unter, wie im Meer
Todmüde Schwimmer.

Vom Bett aufsteht der Wind.
Schlaftrunken, noch im halben Traume,
Greift in die Luft ein Zweig, kühl angeweht,
Und schwankt und zittert, und ein Schauer geht
Von Baum zu Baume.

Ein Vogel ruft im Holz,
Ein andrer noch; aus allen Nestern
Wird froh der Tag begrüßt, der sich erneut.
Begehrend drängt das Leben sich zum Heut,
Fern liegt das Gestern.