Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Das singende Blut von

Das singende Blut

Im flutenden Dunkel, halb erwacht
Und halb mit träumenden Sinnen,
Hör' ich mein Blut durch die Mitternacht
Mit kristallenem Singen rinnen:

?Was bist du? ein verdorrter Schaft,
Den ich mit Geist durchglute.
Mich zeugt der Erde tiefste Kraft,
Das Dunkel, dem ich mich entrafft,
Zu dem ich heimwärts flute.

Ein Lebenswille reißt mich los.
Durch schwindende Gestalten
Ström' ich zurück zum Mutterschoß.
Mein Weg ist lang. Dich streift er bloß.
Du kannst mich nicht behalten.

Der Becher, der dein Leben hält,
Ist ganz dem Dunkel zu eigen.
Mit jedem Atem, der zittert und wellt,
Löst sich ein Tropfen, splittert und fällt
Zurück in das ewige Schweigen."