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St. Cloud von

St. Cloud

Es war ein Tag zu jauchzen und zu blühen.
Zu Boden warf ich Sonden und Lanzetten
Nach nächtlich langem, blutigem Bemühen,
Um mich von grausen Sterb- und Jammerbetten,
Von todten Gliedern und zerschoss'nen Leibern
In frisch lebendige Natur zu retten.
Doch ach! als wär' ein Volk von wilden Räubern
Dahingesaust, so lagen die Gelände
In Schutt, von einer Meerflut kaum zu säubern.
Wo sonst der Hyacinthen duft'ge Spende
An's Licht sich wagte, fielen den Bebauern
Todbergende Granaten in die Hände.
Ich wandte mich zurück mit leisen Schauern;
Da ragten auf der sanften Hügelkette
Von Schloß und Stadt nur Trümmer mehr und Mauern -
St. Cloud, des welschen Kaisers Lieblingsstätte,
In Brand von seiner eig'nen Riesenschanze
Geschossen mit ohnmächt'gem Wuthgespötte.
Und aus dem Nebel wuchs im Morgenglanze
Vor mir die Seinestadt, das Goldjuwel
Des Invalidendom's im Mauerkranze,
So majestätisch und so farbenhell,
Als läg' sie hungernd nicht in Eisenschienen
Blauäugigen Barbaren zu Befehl.
Ein blödes Lächeln überflog die Mienen
Der Städtekönigin mit einem Male -
Doch furchtbar ist dies Lächeln mir erschienen.
Sie schien in ihrer ries'gen Eisenfalle,
In ihrer Ohnmacht schwerverhalt'ner Wuth
Ein Löwe mir mit eingezog'ner Kralle,
Erstarrt im Blick auf das zerschoss'ne Cloud,
Zum Zeichen, was sie sinnt, wenn einst will glücken
Der Rache Tag: Brandfackeln, Mord und Blut.
Und was sie kann, erschien vor meinen Blicken
Schon gegenwärtig - als von strammen Tritten
Es lustig klang vom nahen Bergesrücken.
Und unsern greisen Kaiser sah ich mitten
Im Trümmermeer des Schlosses, wie er kam
Von der Terrasse Rest herabgeschritten.
Im Nu verflog der bange Traum und Gram,
Und fröhlich aus befreiter Seele schwirrte
Ein herzlich Lebehoch - nicht ohne Scham.
Der Kaiser lächelte. Ich salutirte.