Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

In der Kirche von

In der Kirche

Ich sah dich betend knieen am Altar;
Ich sah in deinem Aug', auf deinen Wangen,
Wie Wonne dir im Herzen aufgegangen
Gleich einer Mondnacht still und sternenklar.

Du standest auf und sahst den Blick gesenkt
Den Finstern nicht, im Zweifeln stumm begraben,
Gleich einem Sterbenden sich lieblich laben
Am Frieden, den dein Glaube dir geschenkt.

Wohl dir! du sahst dann nicht die tiefe Nacht,
Die sternenlos schon lange sucht den Morgen,
Der ihm, was tief verschleiert, tief verborgen,
Aufschließt zur hellen, frohen Tagespracht.

Du magst bewahren dir das fromme Herz,
Ja, selbst will ich den Glauben treu dir hüten,
Daß seine schönen, wunderbaren Blüten
Dir Ruhe duften, Trost in jedem Schmerz.

Doch mich laß nimmer ruhn, du meine Ruh'!
Laß mich nach Wahrheit ringen, laß mich siegen!
Und müßt' ich auch im Kampf bald erliegen,
O weine nicht, mein frommer Engel du!