Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Wär' ich im Bann von Mekka's Thoren von

Wär' ich im Bann von Mekka's Thoren.

Wär' ich im Bann von Mekka's Thoren,
Wär' ich auf Jemens glüh'ndem Sand,
Wär' ich am Sinai geboren,
Dann führt' ein Schwert wol diese Hand;

Dann zög' ich wol mit flücht'gen Pferden
Durch Jethro's flammendes Gebiet;
Dann hielt ich wol mit meinen Heerden
Rast bei dem Busche, der geglüht;

Dann Abends wol vor meinem Stamme,
In eines Zeltes luft'gem Haus,
Strömt' ich der Dichtung innre Flamme
In lodernden Gesängen aus;

Dann wol an meinen Lippen hinge
Ein ganzes Volk, ein ganzes Land;
Gleichwie mit Salomonis Ringe
Herrscht' ich, ein Zauberer, im Sand.

Nomaden sind ja meine Hörer,
Zu deren Geist die Wildniß spricht;
Die vor dem Samum, dem Zerstörer,
Sich werfen auf das Angesicht;

Die allzeit auf den Rossen hängen,
Absitzend nur am Wüstenbronn:
Die mit verhängten Zügeln sprengen
Von Aden bis zum Libanon;

Die Nachts als nimmermüde Späher,
Bei ihrem Vieh ruhn auf der Trift,
Und, wie vor Zeiten die Chaldäer,
Anschaun des Himmels goldne Schrift;

Die oft ein Murmeln noch vernehmen
Von Sina's glutgeborstnen Höhn;
Die oft des Wüstengeistes Schemen
In Säulen Rauches wandeln sehn;

Die durch den Riß oft des Gesteines
Erschaun der Flammen feiner Stirn -
Kurz, Männer, denen glüh'nd, wie meines,
In heißen Schädeln brennt das Hirn.

O Land der Zelte, der Geschosse!
O Volk der Wüste, kühn und schlicht!
Beduin, du selbst auf deinem Rosse
Bist ein phantastisches Gedicht! -

Ich irr' auf mitternächt'ger Küste;
Der Norden, ach! ist kalt und klug.
Ich wollt', ich säng' im Sand der Wüste,
Gelehnt an eines Hengstes Bug.