Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zigeunerleben von

Zigeunerleben.

Im Schatten des Waldes, im Buchengezweig,
Da regt sich's und raschelt's und flüstert zugleich;
Es flackern die Flammen, es gaukelt der Schein
Um bunte Gestalten, um Laub und Gestein.

Das ist der Zigeuner bewegliche Schar
Mit blitzendem Aug' und mit wallendem Haar,
Gesäugt an des Niles geheiligter Flut,
Gebräunt von Hispaniens südlicher Glut.

Ums lodernde Feuer im schwellenden Grün,
Da lagern die Männer, verwildert und kühn;
Da kauern die Weiber und rüsten das Mahl
Und füllen geschäftig den alten Pokal.

Und Sagen und Lieder ertönen im Rund,
Wie Spaniens Gärten so blühend und bunt,
Und magische Sprüche für Not und Gefahr
Verkündet die Alte der horchenden Schar.

Schwarzäugige Mädchen beginnen den Tanz;
Da sprühen die Fackeln im rötlichen Glanz;
Heiß lockt die Guitarre, die Zimbel erklingt,
Wie wilder und wilder der Reigen sich schlingt.

Dann ruhn sie, ermüdet vom nächtlichen Reihn,
Es rauschen die Buchen in Schlummer sie ein,
Und die aus der glücklichen Heimat verbannt,
Sie schauen im Traume das südliche Land.

Doch wie nun im Osten der Morgen erwacht,
Verlöschen die schönen Gebilde der Nacht;
Laut scharret das Maultier beim Tagesbeginn,
Fort ziehn die Gestalten - wer sagt dir, wohin?