Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Stolz mögen wir uns glücklich nennen, von

Stolz mögen wir uns glücklich nennen,
Weil bei des Geistes mildem Schein
Des Lebens Fülle wir erkennen,
Die andre drückt mit dumpfer Pein.

Doch mehr noch glücklich, weil wir sinnig
Und liebend rings das Leben schau'n,
Und an dem Kleinsten fromm und innig
Mit Kindesinbrunst uns erbau'n.

Kein Bienchen schwimmt auf raschen Wogen,
Dem unser helfend Mitleid fehlt.
Der Käfer, der sich starr geflogen,
Wird neu von unserm Hauch beseelt,

Denn überall ist Liebesfülle,
Wo ein Gebild zum Leben strebt;
Wir ahnen's, daß in kleinster Hülle
Ein Meer von Lust und Qualen bebt,

Und daß die duftberauschte Mücke
In ihres Lebens kurzem Tag
So viel von Schicksalsgunst und Tücke
Als du und ich erleiden mag.

Nur eitlem Sinn erscheint es nichtig,
Was rasch entsteht und rasch zerfällt,
Uns ist ein Wunder hoch und wichtig,
Was einmal lebt in bunter Welt.

Uns wird des Schmetterlings Entfalten
Ein hehr prophetisches Gesicht,
Des Lenzes Hauch ein heilig Walten
Und eines Leuchtwurms Tod Gedicht.