Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Verwandelte von

Die Verwandelte.

Wie schlief dir hinter Berg und Thal
In deines Lebens Morgen
Noch all die tiefste Wonn' und Qual
Verborgen!

Du standst so keck und lose
Du knospende Gestalt,
Wie eine wilde Rose
Im Wald.

Warst ja die lust'ge Jägermaid,
Abends wie morgens früh!
Nun aber schlich das süße Leid
Sich auch zu dir, Marie.

Du lachtest, nun ist still dein Sinn;
Wo sind die jauchzenden Stunden
Des übermütigen Lachens hin
Geschwunden?

Wie war dein Mund zum Plaudern,
Dein Schelmenmund geneigt!
Nun spricht er nur mit Zaudern
Und schweigt.

Und dennoch bist voll Seligkeit,
Seliger warst du nie,
Denn ach, der Herzen süßes Leid
Durchbebt auch dich, Marie.