Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zumutung des Mutes von

Zumutung des Mutes

1817.

Laß sie schweben
Deine Vögel! Laß sie fliegen!
Stolzes Leben
Träumet nur von Siegen.
Wann sie fallen
Nieder vor erflogner Wonne,
Wisse, aus der Sonne,
Die sie wollten, wird der Spott nicht schallen.

Wackre Jäger
Stellen nach dem schönsten Wilde,
Tapfre Schläger
Decken mit dem Schilde
Nur die Seite,
Über der die Wehr nicht schwebet,
Doch die andre strebet
Vorwärts stets zu Kampf und Sieg und Beute.

Also strebe
In des Kampfes frische Weite!
Also hebe
Blanke Wehr im Streite!
Alles decken
Wollen nur die Feigen, Matten,
Die des Todes Schatten
Stündlich überhängt mit bleichen Schrecken.

Darum fröhlich,
Kühnes, glühendes Herz des Mutes!
Darum selig,
Selig freien Blutes,
Das verronnen,
Wo der Helden beste fielen!
Mußt so deinen Sonnen,
Deiner Liebe frisch entgegenspielen.

O so schwebet,
Meine Vögel, sonder Zagen!
Schwebet! Schwebet!
Höher wird es tagen;
Dort versinken
Nebel, die uns unten irren:
Wollt ihr Sonnen trinken,
Dürft ihr zwischen Tag und Nacht nicht schwirren.

Schwebet, schwebet,
Meine Vögel, sonder Weile!
Flieget, strebet
Fort in Blitzeseile!
Blitzeskinder,
Sollt ihr kühn in Flammen baden,
Erdenüberwinder,
Adler, fliegen zu den Sternenpfaden.