Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Das Wort von

Das Wort

1818.

Was ist die Macht, was ist die Kraft,
Des Christen stolze Ritterschaft,
Der Schirm und Schild und Schmuck der Ehren,
Die ungebrochne Wehr der Wehren,
In jeder Not und Fahr der Hort?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was kann wie ein zweischneidig Schwert,
Das blitzend aus der Scheide fährt,
Mark und Gebein im Hui zerschneiden,
Die Geister und die Leiber scheiden?
Was hat so freißlich scharfen Ort?
Das hat das Wort, das feste Wort.

Was braust daher wie Windesbraut
Und überdonnert Donners Laut?
Was donnert in der Sünder Ohren,
Gleich einem Schwur von Gott geschworen?
Was ist's, das durch die Seelen bohrt?
Das ist das Wort, das feste Wort.

Was säuselt wie ein Westenwind
Vom Frühlingshimmel sanft und lind?
Was säuselt lieblich durch die Herzen,
Ein Trost und Balsam aller Schmerzen?
Was wehet alle Sorgen fort?
Das tut das Wort, das feste Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Das so gewaltig wirkt und schafft,
O Wort der Schrecken und der Freuden,
Zum Heilen mächtig und Zerschneiden,
Du warest eh'r als Zeit und Ort,
Du starkes Wort, du festes Wort.

O Wort der Macht, o Wort der Kraft,
Du, meines Herzens Ritterschaft,
Wollst ewig in und bei mir bleiben,
Durch Donner und durch Säusel treiben
Zum rechten Kampfe fort und fort,
Mein starkes Wort, mein festes Wort.