Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Mir ist, als müßtest du empfinden von

Mir ist, als müßtest du empfinden.

Mir ist, als müßtest du empfinden,
Wie oft ich dein, wie treu gedacht,
Als spräch' zu dir mit lauen Winden
Statt meiner jede Sommernacht,
Als läsest du in jedem Sterne
Mein Grüßen still und sehnsuchtsvoll;
Ich weiß ja nicht, wie deine Ferne
Ich anders je erreichen soll.

Es wälzt das Meer schon seine Wogen,
Die blauen, zwischen dir und mir,
Du bist zur Heimat fortgezogen,
Ich steh' noch in der Fremde hier;
Und übers Wasser, durch die Steppen
Führt keine Brücke mich, kein Steg,
Hoch über meiner Klage schleppen
Sich bange Tage langsam weg.

Vielleicht, daß du mich längst vergessen,
Vielleicht, daß du mich längst erkannt,
Vielleicht, daß andern unterdessen
Dein Blick sich huldvoll zugewandt?
Ich weiß es nicht; von Stund' zu Stunde
In Zweifeln irr' ich scheu umher,
Von dir kein Trost und keine Kunde,
Für mich kein Bote übers Meer!

Und doch den Grund soll nichts mir rauben,
Den Ankergrund im Sturmgebiet;
An meine Liebe will ich glauben,
Die dich magnetisch an mich zieht;
Du mußt sie fühlen, mußt sie ahnen,
Mein Bild muß dir vor Augen stehn,
Und so, trotz früh-zerriss'nen Bahnen,
Weiß ich, daß wir uns wiedersehn!