Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Amarants Lieder von

Amarants Lieder.

Es muß was Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen!
Sie schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen!
Und Freud' und Leid, und Glück und Not
So miteinander tragen!
Vom ersten Kuß bis in den Tod
Sich nur von Liebe sagen!

Ich will dich auf den Händen tragen
Und dir ein treuer Engel sein;
Will legen meine junge Seele
Ganz in dein liebes Herz hinein.
Ich will für mich ja nichts erflehen,
Für dich nur alles ganz allein;
Ach! wenn so ganz ich in dir lebe,
Schließt ja auch mich der Segen ein.

Du armer Wald! Wer hat geglaubt,
Daß wir noch so zusammenkommen?
Der Herbst hat uns zumal entlaubt,
Und alle Freud' uns abgenommen.
Doch darfst du nicht so traurig sein,
Darfst wieder auf den Frühling warten!
Der meine blüht vielleicht allein,
O Gott! in deinem Himmelsgarten.

Ich höre leis' den Baum mich fragen:
?Was ist dein Herz so gramverstimmt?
Ich will ja auch darum nicht klagen,
Daß mir der Herbst die Blätter nimmt!
Denn wie mir Gott zur rechten Stunde
Die Blätter nimmt und wieder leiht,
So schlägt und heilt des Herzens Wunde
Auch dir ein Gott zur rechten Zeit."

Uns aus dem Bächlein hör' ich's sprechen:
?Was weinest du? Verzage nicht!
Ich muß durch Kluft und Dornen brechen,
Und komme doch am End' ans Licht.
Viel goldner aus der Klüfte Dunkeln
Mir dann das Licht des Tages scheint;
So wird die Freude sel'ger funkeln
Dereinst aus Augen, trübgeweint."

O Gott! wie war mein Herz so blind,
Daß ich mich zagend so vergrämt!
Ich, eines ew'gen Vaters Kind!
Des Waldes Wort hat mich beschämt.
Ja, Gott, du bist mein Vater treu!
Ich geb' als Kind mich treu dir hin;
Und ob ich wein', ob ich mich freu',
Stets ich in deinen Händen bin.