Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der Abschied von

Der Abschied.

Ach, scheiden von der Lieben,
Das thut dem Herzen weh!
Das will mich sehr betrüben,
Wo ich auch geh' und steh'.

Muß oft der Stunde denken,
Wo ich zuletzt sie sah;
Sie saß mit bitt'rem Kränken
Bei Vater und Mutter da.

Ich sah sie dort zerpflücken
Ein Zweiglein Rosmarin;
Aus blauen, milden Blicken
Eine helle Thräne schien.

Die Mutter unterdessen
Las in dem Bibelbuch;
Ich mußt' die Augen pressen
Vor wildem Schmerz in das Tuch.

Wie war mir doch beklommen;
Sie barg ihr Angesicht,
Ob Abschied ich genommen,
Weiß ich noch heute nicht.

Ach, dürft' zu ihren Füßen
Mein Herz ich legen hin,
Dorthin , wo sie zerrissen
Das Zweiglein Rosmarin!