Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Durch tiefe Nacht von

Durch tiefe Nacht.
(1845)

Durch tiefe Nacht ein Brausen zieht
Und beugt die knospenden Reiser,
Im Winde klingt ein altes Lied,
Das Lied vom deutschen Kaiser.

Mein Sinn ist wild, mein Sinn ist schwer,
Ich kann nicht lassen vom Lauschen;
Es klingt, als zög' in den Wolken ein Heer,
Es klingt wie Adlers Rauschen.

Viel tausend Herzen sind entfacht
Und harren wie das meine;
Auf allen Bergen halten sie Wacht,
Ob rot der Tag erscheine.

Deutschland, die schön geschmückte Braut,
Schon schläft sie leis' und leiser -
Wann weckst du sie mit Trompetenlaut?
Wann führst du sie heim, mein Kaiser?