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Unsere Mainbrücke von

Unsere Mainbrücke.
(1870)

Das war zu Wörth der heiße Tag,
Als wir die Blutschlacht schlugen;
Wie krachte von ihrem Donnerschlag
Das Kaiserreich aus den Fugen!
Das war zu Wörth der heiße Tag -
Die Höhen waren erstürmet,
Auf blut'ger, glühender Heide lag
Des Todes Saat getürmet.

Und drunten im Grund, am einsamen Tann,
Wo rot die Wellen heut rauschen,
Da hob sich empor ein gefallener Mann,
Den Donnern des Sieges zu lauschen.
Und neben ihm hob sich ein andrer empor,
Die Rechte gepreßt auf die Wunde;
Mit brennendem Aug' und lechzendem Ohr
Einsaugt er die jubelnde Kunde.

Der erste, ein Preuße vom nordischen Strand,
Vom bayrischen Hochland der zweite,
Sie waren gefallen am waldigen Rand -
Da lagen sie Seite an Seite.
Victoria! klang's - mit flüchtigem Rot
Aufs neue die Wangen sich färben:
Willkommen nun, heiliger Schlachtentod!
Das nenn' ich ein seliges Sterben!

Gerächt, gerettet das Vaterland,
Der Räuber zu Boden gerungen!
Und selig umklammert' sich Hand und Hand,
Und hielten sich glühend umschlungen.
Und der Preuße: ?Gott segn' euch die Waffenthat,
Heut zahlet ihr heim in Treuen
Den angesonnenen deutschen Verrat
Dem Franken, ihr bayrischen Leuen!"

Und der Bauer darauf: ?Geschmiedet in eins
Sind heute im Feuer wir worden!
Heut ward sie geschlagen, die Brücke des Mains,
Geschlagen von Süden und Norden!
Und wie wir hier sterbend zum Bunde die Hand,
Zum Schwure der Treue erfassen,
So reichten die Rechte sich Land und Land,
Im Tode sie nimmer zu lassen." -

Und als nun erglommen um Felsen und Wald
Des Abendrots glühende Brände,
Da ruhten die Tapfern friedlich und kalt,
Im Tod noch verkettet die Hände.
Und wir hörten den Schwur, und wir halten ihn euch -
Bei rinnendem Herzblut im Sande!
Und die Kunde vom wiedererstandenen Reich,
Sie donn're von Lande zu Lande!