Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Heinrich der Löwe von

Heinrich der Löwe.

Im Dom zu Braunschweig ruhet
Der alte Welfe aus,
Heinrich der Löwe ruhet
Nach manchem harten Strauß.

Es liegt auf Heinrichs Grabe,
Gleichwie auf einem Schild,
Ein treuer Totenwächter -
Des Löwen eh'rnes Bild.

Der Löwe konnt' nicht weichen
Von seines Herzogs Seit',
Von ihm, der aus den Krallen
Des Lindwurms ihn befreit.

Sie zogen miteinander
Durch Syriens öden Sand;
Sie zogen miteinander
Nach Braunschweig in das Land.

Wo auch der Welfe wandelt,
Der Löwe ziehet mit,
Zieht mit ihm, wie sein Schatten,
Auf jedem Tritt und Schritt.

Doch als des Herzogs Auge
In Todesnöten brach,
Der Löwe still und traurig
Bei seinem Freunde lag.

Vergebens fing den Löwen
Man in den Käfig ein;
Er brach die Eisenstäbe;
Beim Herren mußt' er sein.

Beim Herzog ruht der Löwe,
Hält jeden andern fern,
Doch nach drei Tagen fand man
Tot ihn beim toten Herrn.

Drum mit des Herzogs Manen
Geht stolz Jahrhundert' lang
Der Löwe wie beim Leben
Noch immer seinen Gang.