Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gebet am Sonntag von

Gebet am Sonntag.

Laß mich sinken in dein Erbarmen,
O Herr, so mild noch im Gericht!
Verstießest du doch uns, die Armen,
Ganz aus dem Paradiese nicht!
Wohl galt's, die Jugendheimat meiden
Und sich mit Knechtesarbeit mühn,
Doch ließest du in bangen Leiden
Am Sabbath uns noch Eden blühn.

Der Friede Gottes waltet; - heute
Hörst du den Schmerzlaut nicht des Tiers,
Nicht flieht das bange Wild die Meute,
Es fiel das Joch vom Hals des Stiers.
Die Vöglein leis' und feiernd schlagen,
So seltsam spielt der Abendwind,
Als wollt' er ein Geheinmnis sagen
Von ew'ger Huld dem Gotteskind.

Und wie Natur in frommer Feier
Geschloßnen Auges betend steht,
So, von dem Erdenstaube freier,
Ruht auch die Seele im Gebet.
Ein Frieden ist in sie ergossen,
Sie fühlt von Schuld und Gram sich rein!
Die Zukunft ist ihr weit erschlossen,
Sie liegt in morgenrotem Schein.

Ich weiß, noch wird ein Sabbath kommen,
Nach dem des Glaubens Sehnsucht ringt,
Nach dem in Sehnsucht schau'n die Frommen,
Der ganz uns Eden wiederbringt;
Wenn erst der letzte aller Heiden
Als Bruder an das Herz uns fällt,
Wenn wir die letzte Garbe schneiden,
Dann ist vollbracht das Werk der Welt.

Noch eine Ruhe soll dir werden,
O Volk des Herrn! Sie ist nicht fern,
Denn schon erglänzt auf weiter Erden
Das Kreuz als ew'ger Morgenstern.
Getrost, getrost! bald ist verronnen
Der Weltenwoche Sturmeslauf!
Im Osten graut mit hellern Sonnen
Der Weltensabbath schon herauf.