Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ermunterung von

Ermunterung

1855.

Willst du sinken, nichts als sinken,
Armes, krankes Menschenherz?
Immer nur den Becher trinken,
Den dir füllet Sorg' und Schmerz?
Immer alles nur in grauen,
Schwarzen Erdenfarben sehn?
Lerne doch nach oben schauen,
Wo die heitern Sterne gehn.

Dahin schau'! Da ist dein Eigen,
Da dein altes Heimatland;
Dahin schau'! Und lerne steigen
Aus dem dürren Erdensand,
Aus dem trüben Nebelstaube -
Nimm den Flug und zittre nicht,
Glaube, was der Christenglaube
Bald zweitausend Jahre spricht.

Da hinauf! Da ist dein Streiter,
Vor dem Not und Tod zerfällt,
Dahin schau'! Und hell und heiter
Blüht dir wieder Gottes Welt -
Schaue, schau' auf diesen Einen:
Immer steht der Held bereit,
Der sein Himmelreich läßt scheinen
Auf dein kurzes Erdenleid.

Ja, auf diesen Einen, deinen
Heiland, schaue, halte fest
An dem Einen, der die Seinen
Nun und nimmermehr verläßt;
Aus ihn sollst allein du schauen,
Der vom Himmel niederkam,
Der hinweg des Todes Grauen
Und der Hölle Schrecken nahm.

Schaue! Suche! Du wirst finden,
Halt, was du gefunden hast,
Und so gib den leichten Winden
Alle schwere Erdenlast
Mutig! Denn der höchste Sieger
Schreitet dir im Streit voran,
Und die Losung tönt dem Krieger:
Sei ein Christ und steh als Mann!